Ich war eine Ratte

Ich war eine Ratte

frei nach einer Geschichte von Philip Pullmann

Er ist flink, freundlich, naiv und er hat kein Zuhause. Über seine Vergangenheit sagt er nur: ‘Ich war eine Ratte’. Das ist unmöglich, kein Zweifel – aber wieso benimmt er sich so komisch?  Eins ist klar: Mit dem Jungen stimmt etwas nicht! Als sich die Nachricht vom geheimnisvollen Rattenjungen herumspricht, reißen sich plötzlich die Presse, die Wissenschaft und andere schräge Gestalten um ihn. Eine Hetzjagd beginnt.


Der britische Schriftsteller Philip Pullman erzählt in seinem Jugendbuch eine Nager-Parabel mit Hintersinn. Von einem, der nicht er selbst ist und nicht anders sein darf.

Jetzt nimmt sich das Schrägstrichtheater dieses schwarzhumorig-hellsichtige Märchen vom Ratten-Mowgli vor. Arbeitet in seiner fünften Produktion erstmals nach Vorlage und macht was Außergewöhnliches draus. Das Ensemble aus Spielern mit und ohne Behinderung übersetzt Pullmans Geschichte in die eigene Anderswelt. Mit überbordender Phantasie. Und mit Biss.

11.07.2011 – Arndt Zinkant für die Westfälischen Nachrichten
Kaspar-Hauser-Variante mit satirischem Einschlag

Das Publikum kichert, wenn er vorwitzig den Kopf aus der Tonne streckt. Nicht wie einst Diogenes, denn seine Tonne ist für den Müll. Er springt behände rein und raus, und wenn er etwas Essbares in die Finger kriegt, wird es sofort verspeist. Fragt man den Jungen nach seinem Namen, sagt er nur: „Ich war eine Ratte.“
Die Inszenierung des Schrägstrichtheaters verarbeitet einen Stoff von Philip Pullman – eine Variation über die Geschichte vom „Wolfsjungen“, der in der menschlichen Gesellschaft zum Außenseiter verdammt ist. Dass die Hauptfigur hier gar behauptet, von Ratten abzustammen, macht ihn noch drastischer zum Underdog. Unter der Regie von Annette Knuf und Manfred Kerklau traten im Pumpenhaus überwiegend Darsteller mit geistiger Behinderung auf. Mit so viel Spielfreude, dass diese eigentlich traurige Kaspar-Hauser-Variante ein satirisches Augenzwinkern bekam, das seine Wirkung im begeisterten Publikum nicht verfehlte.

URAUFFÜHRUNG: 7. Juli 2011 im Theater im Pumpenhaus
REGIE Annette Knuf, Manfred Kerklau

ES SPIELEN K. Ackermann, K. Buldermann, S. Dosche, P. Humborg, T. Kaven, M. Nicolaysen, P. Palma Kries, K. Scherff, M. Steffen, D. Senfft
REGIEASSISTENZ S. Karrenbrock
SOUND B. Kortenkamp (Wachtelrealisator)
BÜHNE H. A. Unsenos
KOSTÜM T. Toeberg
LICHT V. Sippel
BACKSTAGE C. Georgi, A. Zienterra
FÖRDERER Stadt Münster, Fond Soziokultur, VHS Münster-Programmbereich Kunst und Kultur
EIN INKLUSIVES THEATERPROJEKT der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Ortsvereinigung Münster e. V.